Die Sicht auf den Schatz – Tipps für erfolgreiche Freelancer

oder: Wie unterschiedlich Recruiter, Kunde und Freelancer ein- und denselben Lebenslauf interpretieren

In vielen Berufssparten ist es heute üblich, über Vermittlerdienste zu arbeiten. Diese Vermittler – nennen wir sie Schatzsucher – spielen eine große Rolle bei der Auswahl des Schatzes und seines Besitzers.

Der Blickwinkel des Freelancers

Der Freelancer sieht seine Schätze primär innerhalb der Umstände, unter denen er sie erworben hat. Dabei können auch Emotionen eine Rolle spielen, je nachdem, ob sie mit eher freudigen oder negativen Erlebnissen verbunden waren.

Des Weiteren werden alle Erfahrungen, bewusst oder unbewusst, bewertet. Dinge, die direkt mit einem Projekt, mit einer Rolle, mit guten Erfahrungen in Zusammenhang stehen, bekommen damit eine höhere Wertigkeit als jene, die eher nebenher eine Rolle gespielt haben.

Außerdem beeinflusst auch der Kunde mit seiner Suche die Sicht des Freelancers auf seine eigenen Schätze. Der Freelancer trifft auf Basis der Projektausschreibung des Kunden Annahmen, die stimmen können – oder auch nicht.

All das zusammengenommen führt zu einer bestimmten Präsentation der Schätze durch den Freelancer. Ob diese Präsentation den Wunsch des Kunden trifft, ist eine andere Frage.

Der Blickwinkel des Schatzsuchers

Auch der Schatzsucher kann seine Persönlichkeit, seine eigenen Erfahrungen und Lebensumstände nicht ganz abkoppeln von der vor ihm stehenden Aufgabe. Kennt er den Kunden erst seit kurzem? Hat er eine konkrete Vorstellung von den fachlichen Anforderungen des Kunden? Kennt er den Fachbereich des Kunden und dessen menschliche und soziale Eigenheiten?

Sieht er sich das Profil des Freelancers an, sieht er zunächst das Titelblatt und den Absender. Kennt er diesen Freelancer bereits? Hat er mit ihm bereits früher zusammengearbeitet? Wenn nicht: Wie schätzt er den Freelancer anhand der Unterlagen, des Bilds, der Struktur, der Inhalte ein?

Wie bedeutend sind für ihn Echtheitszertifikate und Erwerbsurkunden für die präsentierten Schätze? Wie gewichtet er sie gegenüber den Schätzen, die praktisch erworben oder unter viel Mühen ausgegraben wurden? Kann er diese Mühen überhaupt erkennen? Wie geht er mit Schätzen um, die eine kleine Macke haben? Wertet er diese ab, oder sieht er sie als Bereicherung?

Wie so oft spielt der erste Eindruck eine entscheidende Rolle: Nur, wenn hier etwas ins Auge sticht, wenn etwas fesselt und gut zu den Wünschen des Kunden zu passen seint, ist der Freelancer interessant genug für einen zweiten Blick in seine Schatzkiste. Und nur dann hat er eine Chance, in die erste Wahl – und damit zur Kundenvorstellung – zu gelangen.

Der Blickwinkel des Kunden

Wenn der Schatzsucher den Freelancer mit seiner Schatzkiste dem Kunden vorstellt, fließen auch dessen Erfahrungen und Vorstellungen in die Auswahl ein.

Wie wichtig sind dem Kunden die oben liegenden Perlen? Welche Rolle spielen die darunter noch sichtbaren Goldmünzen? Und macht er sich die Arbeit, die Rubine ganz unten in der Kiste anzusehen?

Was sein Interesse findet, kann zufällig bedingt sein. Möglicherweise war ihm nicht bewußt, dass Perlen und Rubine in Kombination genau zu seinen Anforderungen passen würden. Wenn ihm klar ist, dass sich in der Kiste auch Rubine befinden, kann das also ein Schritt weiter zur Beauftragung sein.

Wie wichtig sind ihm auch die Dinge, die man nicht direkt in der Kiste findet? Oder die sich nur indirekt aus den Inhalten der Kiste ergeben? Welche Rolle spielen für ihn Zertifikate und Urkunden, soziale und kommunikative Fähigkeiten, organisatorische und personelle Erfahrungen? Wie schätzt er die Fähigkeit des Freelancers ein, sich in seine Organisation zu integrieren?

Auch der Kunde kann die Schatzkiste, das Angebot des Freelancers, sehr unterschiedlich interpretieren. Und möglicherweise werden ihm erst beim Betrachten der Schatzkiste Bedürfnisse bewusst, die für die Besetzung relevant sind.

Fassen wir zusammen:

  • Die Auswahl eines Freelancers geschieht nie nur unter objektiven Gesichtspunkten.
  • Jeder der Beteiligten (Recruiter, firmeninterne HR, Kunde/Auftraggeber und auch der Freelancer selbst) hat eine andere Sicht auf den Schatz des Freelancers.
  • Zu dieser Sicht tragen viele Faktoren bei, die in der Person, in der Historie, in ihrer Funktion, in ihrer Organisation begründet sind.
    Welche spezifische Sicht der Schatzsucher einnimmt und wie sich diese auf die Schatzkiste auswirken kann, sehen wir uns dann im nächsten Blogbeitrag an.

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