Freelancer, Kunde und der Kommunikationsfehler „Stille Post“

Um bei Vermittlungen das „Stille-Post-Prinzip“ zu vermeiden, ist es wichtig, dass zwischen allen Beteiligen eine eindeutige Kommunikation stattfindet.

Wenn der passende Freelancer und ein Kunde aufeinander treffen, dann kann es zu einer wunderbaren Symbiose kommen. Beide Parteien profitieren von der Zusammenarbeit, und nach Abschluss gehen beide zufrieden und mit einem zusätzlichen Schatz an Erfahrungen, Erfolgserlebnissen und monetären Profiten auseinander.

Was hat „Stille Post“ mit der Auswahl eines Freelancers zu tun?

Für Kinder ist „Stille Post“ ein faszinierendes Spiel. Wir Erwachsenen meinen, dem schon längst entwachsen zu sein. Doch im Grunde spielen wir auch oft unbewusst „Stille Post“. Dies kann auch bei der Suche eines Kunden nach einem Freelancer passieren.

Stille Post

Der Kunde – Vorbereitung der Suche:

Wer verfasst eigentlich den Text für die Ausschreibung? Der Projektleiter, die Personalabteilung, oder ein „Schatzsucher“, also Vermittler? Wie genau sind die Vorstellungen auf Kundenseite? Sind sie für Unternehmensfremde verständlich? Hat derjenige, der mit dem Ausschreibungstext beauftragt ist, genügend Verständnis der Fachdomäne des gesuchten Freelancers? Gibt es unterschiedliche Vorstellungen der verschiedenen betroffenen Abteilungen – und vielleicht schon an dieser Stelle eine lückenhafte Kommunikation?

Der Schatzsucher/Vermittler:

Kennt der Vermittler die Fachdomäne des Kunden, um die geforderte Expertise genau zu verstehen? Kennt er andererseits auch die Fachdomäne des gesuchten Freelancers, um in beide Richtungen Verständnis schaffen zu können? Wem leitet er die Kundenausschreibung weiter – und welche Kriterien greifen bei dieser Auswahl?

Der Freelancer und seine Schatzkiste

Kommt die Ausschreibung beim Freelancer an, liest er sie, und bereits in diesem Moment läuft in seinem Kopf ein Film ab. Dabei entwickelt er eine eigene Vorstellung vom Inhalt des ihm vorliegenden Textes. Ob diese mit denen des Kunden übereinstimmt, wird sich erst (viel) später zeigen. Jedenfalls packt der Freelancer seine Schatzkiste (Lebenslauf/Profil) entsprechend seiner eigenen Interpretation der Ausschreibung und sendet sein Angebot mit ihr hoffnungsvoll an den bestellten Schatzsucher

Die Auswahl des Schatzsuchers

Wie wir schon im letzten Blogbeitrag erfahren haben, packen die Schatzsucher oft die Schatzkisten der Freelancer nach ihren eigenen Vorgaben um und können daher unter Umständen eine nicht gewollte Verfälschung bewirken.

Dabei kann es sein, dass Schätze, die Kunden wichtig sind, aber nicht explizit von ihm erwähnt wurden, unsichtbar werden – oder aber Schätze, die der Freelancer nicht unbedingt als seine Kernkompetenz betrachten würde, hervorgehoben werden.

Die Auswahl beim Kunden:

Der Kunde erhält also eine ganze Anzahl Schatzkisten – große und kleine, schwere und leichtere – von Freelancern, die schon durch die Hand eines Schatzsuchers gingen. Sie sind zumeist gleich strukturiert, sehen auf den ersten Blick gut aus und mögen auch durchaus die Erwartungshaltung des Kunden gut treffen.

Aber sie wurden verändert – und geben damit nicht mehr genau das wieder, was der Freelancer dem Kunden ursprünglich eigentlich mitteilen wollte. Der Kunde sieht dadurch nicht mehr die Unterschiede, die vorher so auffällig waren. Die Merkmale, die jede einzelne Kiste ursprünglich personalisierten wie eine Unterschrift, werden unsichtbar.

Und noch etwas geschieht: Der Kunde hat eine klare Vorstellung davon, was er für den Schatz ausgeben möchte. Besonders wertvolle Schatzkisten fallen daher eventuell bereits frühzeitig durch das Raster, oder es werden nur die passenden Teile aus der Kiste genommen.

Ob also der Kunde tatsächlich diejenigen Schatzkisten präsentiert bekommt, die ihm wirklich gefallen würden, ist nicht unbedingt selbstverständlich.

Fassen wir zusammen:

Der Freelancer kann sein Angebot erst einmal nicht direkt dem Kunden präsentieren. Entscheidend ist damit die Papierform.
Der Freelancer kann aufgrund der Ausschreibung oft nicht genau erkennen, was dem Kunden wirklich wichtig ist. Das Angebot passt damit eventuell nicht genau, obwohl die Kompetenzen vorhanden wären.
Durch die vorhandenen, zahlreichen Kommunikationskanäle wäre es besonders wichtig, das „Stille-Post-Prinzip“ zu vermeiden und eine eindeutige, möglichst präzise Kommunikation sicherzustellen.
Was ist eigentlich ein Angebot? Dieser Frage gehen wir beim nächsten Mal auf den Grund.

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